KJug 4-2018_Titelblatt

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38.891 Kinder und Jugendliche sind im vergangenen Jahr in Obhut genommen worden. D.h., Jugendämter, konkret Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes, haben diese Kinder und Jugendlichen »in Schutz« genommen, vor Vernachlässigung, aber auch Kindesmisshandlung und sexuellem Missbrauch.
Wenngleich die Anzahl der betroffenen Kinder und Jugendlichen groß ist, kommt der Vernachlässigung in der öffentlichen Diskussion eine eher marginale Aufmerksamkeit zu. Im allgemeinen Bewusstsein und der öffentlichen Diskussion stehen eher Fälle sexualisierter Gewalt oder spektakuläre Einzelfälle.
Kindeswohlgefährdungen haben nicht nur physische Folgen, ebenso gravierend sind die psychischen Folgen für das weitere Leben von Mädchen und Jungen. Wie vielfältig die Gefährdungen im Rahmen von Vernachlässigung sind und wie der rechtliche Rahmen in Deutschland aussieht, wird von den Autorinnen und Autoren ebenso in den Blick genommen, wie die konkrete Praxis in Jugendämtern im Umgang mit betroffenen Familien.

 

Aus dem Inhalt:

KJug 4/2018: Heinz Kindler: Kindesvernachlässigung als Kinderschutzthema

Kindesvernachlässigung ist nach wie vor ein vernachlässigtes Kinderschutzthema. Aber positive fachliche Entwicklungen sind unverkennbar. Noch sind freilich die Wirkungen ambulanter Hilfen bei Vernachlässigung unbefriedigend. Im Beitrag werden die Folgen und Ursachen von Kindesvernachlässigung sowie die Diagnostik, Schutzmaßnahmen und Hilfen bei Kindesvernachlässigung benannt. Auf dieser Grundlage wird deutlich, dass insgesamt mehr Wissen über die Folgen von Vernachlässigung, ein Überdenken der Annahmen über die Ursachen von Vernachlässigung sowie neue Ideen zu Diagnostik und Hilfe notwendig sind.

KJug 4/2018: Thomas Mühlmann: Vernachlässigung ist die häufigste von Jugendämtern festgestellte Gefährdungsform

Wenn Jugendämter Anzeichen für Gefährdungen für Kinder und Jugendliche wahrnehmen, dokumentieren sie dies in der Kinder- und Jugendhilfestatistik. Anhand dieser Daten wird das »Hellfeld« der den Jugendämtern bekannt gewordenen Vernachlässigungen, Misshandlungen und sexuellen Gewalt sichtbar. Im Beitrag werden Ergebnisse der Auswertungen der Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik der TU-Dortmund zum 8a-Verfahren allgemein sowie zum 8a-Verfahren mit dem Ergebnis einer (latenten) Gefährdung und Anzeichen für Vernachlässigung nach Alter der betroffenen Kinder und Jugendlichen wiedergegeben und kommentiert.

KJug 4/2018: Thomas Meysen: Vernachlässigung im Fokus des Kinderschutzes in Deutschland

Mit dem Aufbau des Systems Frühe Hilfen hat Vernachlässigung in Deutschland gestiegene Aufmerksamkeit erlangt. Die Einschätzung der Situation des Kindes, die Gestaltung von Hilfen und die Entscheidung über eine Trennung von den Eltern bleiben hoch anspruchsvoll. Dem Wissen, dass bei Vernachlässigung eine besonders hohe Wahrscheinlichkeit erheblicher Schädigung besteht, begegnet das Recht mit der Sicherung niedrigschwelliger Angebote, systemübergreifenden Netzwerkstrukturen und gesetzlich geschützten Vertrauensbeziehungen in der Hilfe. Eine Erhöhung der Handlungssicherheit kann das Recht indes nur begrenzt leisten. Eine Schärfung und Reflexion der jeweiligen Fachlichkeit ist erforderlich für die weiterhin ständige Verbesserung von Hilfe und Schutz bei Vernachlässigung.

KJug 4/2018: Monika Stark-Murgia, Wulfhild Reich: Kindesvernachlässigung – Möglichkeiten eines Jugendamtes am Beispiel des Jugendamts der Landeshauptstadt Stuttgart

Im Beitrag werden die Leitgedanken des Jugendamtes Stuttgarts zum Kinderschutz, Zugänge zu Familien, sozialpädagogische Angebote und Hilfen in der Prävention von Vernachlässigung vorgestellt. Darüber hinaus werden zentrale Hilfen, Möglichkeiten und Grenzen bei gewichtigen Anhaltspunkten für eine Kindesvernachlässigung aufgezeigt.

KJug 4/2018: Martin Wazlawik, Matthias Koch: Multiprofessionelle Hilfeplanung – Herausforderungen und Perspektiven für eine inklusive Kinder- und Jugendhilfe

Vor dem Hintergrund multikausaler Problemlagen in der Lebenswelt vernachlässigter Kinder sind multiprofessionelle Handlungskonzepte als Basis einer multiprofessionellen Fallverständigung und Hilfeplanung notwendig. Im Projekt »Konzepte für Kinder – Systemübergreifende Fallbearbeitung bei Kindesvernachlässigung« stand deshalb die Etablierung von Prozessen für eine kooperative und integrative Hilfeplanung bei Kindesvernachlässigung im Fokus.

KJug 4/2018: Fehime Oezmen, Nava Zarabian, Ingrid Hofmann: Islamismus im Netz (Fachbeitrag)

Beliebte Plattformen wie Instagram und Messenger-Dienste bieten vielfältige jugendaffine Funktionen, die sich Islamistinnen und Islamisten zunutze machen. Jugendliche Userinnen und User sollen damit für Propaganda empfänglich gemacht werden und auf islamistische Angebote gelockt werden. Im Beitrag wird herausgestellt, dass ein Teil der Angebote gezielt Mädchen adressiert, um sie zu indoktrinieren und für Terror-Organisationen zu rekrutieren. Aber auch Kinder befinden sich im Visier der Islamisten und werden mit speziellen Spiele-Apps geködert. Diese Form unterschwelliger Propaganda erfordert präventive Maßnahmen und die Entwicklung von pädagogischen Konzepten.

KJug 4/2018: Anna Freytag: »Nur Empfehlung oder doch schon Werbung?« Eine empirische Untersuchung der Wahrnehmung von Produktplatzierungen auf Instagram bei Jugendlichen (Aus der Hochschule)

Soziale Medien und Netzwerke gehören für Kinder und Jugendliche heute zum Alltag. Im Zuge der zunehmenden Hybridisierung von Werbung und des verstärkten Einsatzes von sog. Influencern findet man vor allem in dem von jungen Menschen intensiv genutzten Netzwerk Instagram immer mehr Produktplatzierungen. Durch deren (oftmals) unzureichende Kennzeichnung handelt es sich in vielen Fällen um Schleichwerbung.
Der Beitrag basiert auf einer Masterarbeit, die mit dem medius 2018 ausgezeichnet wurde. Im Vordergrund stand dabei nicht die Wirkung von Produktplatzierungen, sondern die grundsätzliche Frage, inwiefern Jugendliche die persuasive Absicht von Produktplatzierung auf Instagram erkennen und bewerten. Abschließend werden Handlungsempfehlungen aus Sicht des Jugendmedienschutzes und der Medienpädagogik gegeben.

KJug 4/2018: Sigmar Roll: Der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz im Realitätscheck (Recht und Rechtsprechung)

Das Landgericht Hildesheim hat einem Vater, der zwei Monate unbezahlt zu Hause geblieben war, um sein Kind im Alter von 12 Monaten zu Hause zu betreuen, bis ein Krippenplatz zur Verfügung stand, Schadensersatz wegen Amtshaftung des Jugendhilfeträges zuerkannt (Urteil vom 25.05.2018, Az. 5 O 157/17). Im Beitrag wird das Urteil in Auszügen wiedergegeben und kommentiert.

KJug 4/2018: Anja Puneßen: WhatsApp & Co. erst ab 16 Jahren? (Die Jugendschutzfrage)

Seit im Mai 2018 die EU-Datenschutzgrundverordnung in Kraft getreten ist herrscht große Verunsicherung und noch größere Sorge darüber, was künftig im Netz und den sozialen Netzwerken erlaubt ist und was nicht. Die Autorin erläutert die Einführung der Altersgrenze zur Nutzung von WhatsApp ab 16 Jahren und die damit verbundenen jugendschutzrelevanten Aspekte.

KJug 4/2018: Lamya Kaddor: Islamfeindlichkeit im Jugendalter (Die aktuelle Studie)

Im Beitrag wird das Projekt »Islamfeindlichkeit im Jugendalter« vorgestellt. Ziel des Forschungsprojektes ist es, das Phänomen Islamfeindlichkeit im Erfahrungsraum und auf der Einstellungsebene junger Menschen aufzugreifen und mittels verschiedener Forschungsmethoden zu analysieren. Der erste Teil des Forschungsprojektes ist bereits abgeschlossen, dessen Ergebnisse werden komprimiert dargestellt.

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